WTF! Der Zündfunk-Netzkongress 2017 im Münchner Volkstheater

Im Jahr 2017 ist Donald Trump in seine neue Immobile gezogen: das Weiße Haus in Washington. Die AFD stand zwischenzeitlich auf über 20 Prozent und Geert Wilders fast schon als Wahlsieger in Holland fest. Einkommensunterschiede in der Gesellschaft wachsen, die Zahl der prekär Beschäftigten steigt, Erdogan wedelt im Wahlkampf mit Nazi-Keulen. Kate Tempest singt „Europe is lost“.

 

WTF – What the Fake!

Lügen beherrschen die politische Rhetorik – und das dreister denn je. Und weil Fake News passgenau in die jeweiligen Filterblasen geschossen werden, sind Lügen eine wirksame neue Cyber-Waffe. Facebook und das Silicon Valley sind nicht zuständig – natürlich nicht. Der Rest ist Lügenpresse.

 

WTF – What the Freedom!

Der fast schon apokalyptische Alarmismus ist einem beherztem ‚Trotzdem‘ gewichen. Menschen stehen wieder auf – für Europa, für Demokratie, für Toleranz, für Vielfalt. Der Journalismus und das Netz erleben eine Renaissance – überall bilden sich Daten-Teams, nehmen Fakten-Checker, Anti-Hater und Verification-Labs die Arbeit auf. Die New York Times hat die höchste Auflage seit Jahren. Und der „Gottkanzler“ bringt die Klassenfrage wieder zurück in die Kampfarena. Göttlich – oder doch teuflisch? – erscheint auch die Annäherung von Science und Fiction: Der Wunsch nach Unsterblichkeit ist wieder Thema, nicht nur in Don DeLillos Roman ‚Zero K‘.

 

„WTF – What the F…!“

…das ist das Motto des diesjährigen ZÜNDFUNK Netzkongresses, wobei das „F“ für alles stehen kann: für Fake, Fiction, Feminismus, Freedom und, ja, auch für den Ausruf der Empörung. Auch im fünften Jahr wird in Zusammenarbeit mit sueddeutsche.de ein ganzer Think Tank voller internationaler Speakerinnen und Speaker in Vorträgen, Panels und Workshops die Gegenwart von Netz und Welt analysieren, die Zukunft vorwegnehmen, Denkanstöße liefern und Vorschläge machen, wie es weitegehen soll – weg vom Backlash, weg vom alten Affen Angst, und hinein in eine Zukunft, in der wir die technischen Möglichkeiten bestmöglich für Mensch und Maschine, für Demokratie und Diversität, für Science und Fiction nutzen können.

,,Einige der klügsten Köpfe, die über das Internet nachdenken, treffen sich hier”, so war vor zwei Jahren über den Netzkongress zu lesen. Also: Schleudert der Welt ein hoffnungsfrohes „WTF“ entgegen. Es ist Zeit, nachzudenken. Es ist Zeit, zu handeln. Es ist Zeit, von den Schatten der Vergangenheit wegzukommen. Denn: früher war alles schlechter!