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13.
Okt

What the Freedom – Was bedeutet Freiheit im Netz?

Freiheit ist es, wenn man nicht darüber nachdenken muss, was passiert – so könnte man den Umgang der Menschen mit dem Internet beschreiben. Kernthema des ersten Panels beim Netzkongress war die Gleichgültigkeit und  Ahnungslosigkeit, mit der sich viele Menschen im Netz bewegen: Vorratsdatenspeicherung? Datensammlung durch Großkonzerne? Hassbotschaften? Na und? Das betrifft doch nur die anderen.

Jan-Philipp Albrecht, grüner Netzexperte im Europäischen Parlament, hatte sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt, dass endlich eine europäische Datenschutzverordnung in Kraft tritt. Dafür musste er sich nicht nur mit Lobbyisten und politischen Gegnern, sondern auch mit Idealen und den Vorstellungen der eigenen Partei auseinandersetzen – und Kompromisse schließen.

Ein Kampf, der sogar der Sprecherin des Chaos Computer Club, Constanze Kurz, Respekt abverlangte. Die Aktivisten und der Politiker haben sich auf öffentlicher Bühne schon viel gefetzt, obwohl Kurz und Albrecht eigentlich auf der selben Seite stehen.

Die Dimension von Big Data ist für den Laien nicht zu begreifen

In der Debatte um Sicherheit von Daten störte sich Constanze Kurz am meisten daran, dass es quasi keine Chance gebe, sich zu informieren. Die Leute wüssten überhaut nicht, wogegen sie sich wehren können. Regierungen seien deshalb in der Pflicht, den Datenschutz ihrer Bürger zu garantieren. Es sei so einfach für Unternehmen, massenhaft Daten auszuwerten, diese Dimension sei für Laien nicht zu begreifen.

Doch nicht nur die Bürger hätten den Fokus verloren, sondern auch die Politik, so Jan Philipp Albrecht: Alles solle gespeichert werden, jeder kleine Datenrest jedes einzelnen Bürgers. Das sei weder günstig, noch effektiv, noch sicher:

„Wir haben die ganze Zeit vergessen, was wirklich wichtig wäre: Nämlich denen auf die Schliche zu kommen, die uns wirklich Übles wollen.“ Jan Philipp Albrecht

Kernproblem: Gleichgültigkeit

Der dritte Teilnehmer der Runde, der Satiriker Shahak Shapira, hielt sich zunächst mit seinem, wie er selber sagte „unqualifizierten Gelaber“ zurück, um die Diskussion nicht zu bremsen. Schließlich sei er Künstler und weder Politiker noch Wissenschaftler. Shapira ist für seinen Einsatz gegen Hass im Internet bekannt. In einer Aktion sprühte er menschenverachtende Tweets vor die Deutschlandzentrale von Twitter in Hamburg. Die digitalen Vorbilder hatte er vorher gemeldet, doch sie widersprachen offensichtlich nicht den Richtlinien des Unternehmens – sie wurden jedenfalls nicht gelöscht. Für ihn ist das Kernproblem des Themas die Gleichgültigkeit vieler User, wenn sie Hass begegnen. Es sei frustrierend, wenn sich niemand dagegen zur Wehr setzen würde. Oder wenn niemand hilft, wenn Menschen zu Opfern werden.

„Erst schreiben sie es bei Facebook und keiner widerspricht, dann twittern sie es und keiner widerspricht, dann sagen sie es laut.“ Shahak Shapira

Komplexe Probleme erfordern komplexe Lösungen

Kontrovers wurde es, als Constanze Kurz gestand, dass sie Shapiras Sprühaktion vor dem Twitter-Gebäude in Hamburg für eher misslungen hielt. Schließlich hätte er damit Öffentlichkeit ein Problem geschaffen, das in juristischer Sicht viel zu komplex und eigentlich kurz vor der Lösung sei. Man dürfe nicht zu schnelle und zu einfache Reaktionen fordern, automatische Löschungen beispielsweise. Denn schnell und günstig, das ist Software. Und ob die Satire und Kunstfreiheit erkennt, da ist sich Kurz nicht sicher.

Text: Lukas Graw