Single Blog Title

14.
Okt

Aber ewig leben? Nein danke!

„Unsterblichkeit? Ja? Nein? Vielleicht?“ Moderator Christian Schiffer nimmt den Titel der Veranstaltung dankbar auf, um das Stimmungsbild im Publikum abzufragen. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte votierte mit Nein, ist also gegen Unsterblichkeit. Mehr als zwei Dutzend Zuschauer stimmten aber auch mit Ja oder Vielleicht.

Anschließend taten die beiden Experten – der Münchner Philosoph Godehard Brüntrup und die Wiener Technikphilosophin Janina Loh – auf der Bühne alles, um auch diese Zuschauer noch umzustimmen: „Die Verlängerung des Lebens ist das absolute Grauen“, so Brüntrup. Man solle sich alleine mal vorstellen, Millionen mal jeden Morgen im Edeka einkaufen gehen zu müssen – diese Idee könne doch niemandem gefallen. Gelächter im Publikum, auch Janina Loh stimmte Brüntrup zu. Diese nannte zwei Bedingungen für ein ewiges Leben: Erstens müssten Körper und Geist gesund bleiben und zweitens dürfte man nicht als einziger Mensch unsterblich sein, um nicht einsam weiterzuleben.

Unsterblichkeit – der Traum der reichen, alten Männer

Vor allem im Silicon Valley investieren einige schwerreiche Männer wie Jeff Bezos oder Peter Thiel Millionen in die Unsterblichkeitsforschung. Beide Philosophen kritisierten dies scharf. „De facto ist das schon der letzte Traum einiger weniger reicher, westlicher Männer, die es sich leisten können“, sagte Loh. Brüntrup ergänzte: „Das ist die Ausgeburt des Egoismus, zu denken, dass man selbst unbedingt weiterleben muss, weil andere Menschen das nicht so gut können wie man selbst.“ Ein Leben dürfe nicht danach beurteilt werden, wer noch länger oder besser Leben, warnte Janina Loh. Das sei ihre Hauptkritik am Transhumanismus.

Die Angst vorm Tod – oder die Angst vorm ewigen Leben

Die Angst vor dem eigenen Tod – ein Thema, das die Menschen schon immer umtreibt. „Ich bin selbst schon mal wiederbelebt worden und kann deshalb sagen: Sterben ist etwas völlig anderes, als die meisten Menschen denken“, schilderte Godehard Brüntrup.

„Nun bin ich 60 Jahre alt und da wird das Leben irgendwann schon recht repetitiv. Da ist der Gedanke, dass das irgendwann ein Ende hat, ohne depressiv zu sein, schon recht tröstlich.“ Godehard Brüntrup

Text: Niklas Schenk