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6.
Aug.

Vorgestellt // Tabea Wilke: Können Social Bots uns wirklich dazu bringen, etwas anderes zu wählen?

Tabea Wilke © Maximilian König

Fake News und Social Bots: Kann das Internet Wahlen gewinnen? In den USA war das Netz kurz vor Wahl plötzlich voller neuer Botschaften: Knapp ein Fünftel aller Tweets in der letzten Wahlkampfwoche kamen von Social Bots. Das heißt Computerprogramme haben sie gesendet, keine Menschen. Und diese vollautomatisierten Bots haben die politischen Lager noch mehr polarisiert. Müllen automatisierte Profile uns gerade auch genauso zu, in den sozialen Netzwerken? Tabea Wilke weiß es – sie hat die GmbH “Botswatch” gegründet.

Tabea Wilke: Wir von Botswatch konzentrieren uns hauptsächlich auf Deutschland: Wir schauen: Wie sind die Social Bots unterwegs, zu welchen Themen, was tun sie? Zum einen konnten wir feststellen, dass letztes Jahr – als wir angefangen haben – noch ganz andere Akteure unterwegs waren. Wir nennen die Kampagnen-Netzwerke. Die sind auch in anderen Ländern aktiv gewesen und dann nach Deutschland gekommen. Zum anderen ist es so, dass wir in Deutschland seit Dezember eigentlich eine abnehmende Social-Bot-Aktivität haben. Im Moment liegen wir so bei einem Bot-Index zwischen sechs und zwölf Prozent. Bei bestimmten Ereignissen, Landtagswahlen, der G20 Gipfel oder auch bestimmte andere Themen, da liegt der Bot-Index aber bis zu 30 Prozent oder höher.

Zündfunk: Und ihr betrachtet hauptsächlich Twitter?

Wir haben mit Twitter gestartet, weil wir Twitter für relevant halten, weil dort Influencer unterwegs sind. Das heißt: Politiker, Journalisten, all diejenigen, die in Deutschland Einfluss haben, was in den Medien geschrieben wird, was im Fernsehen gezeigt wird, was politisch diskutiert wird.

Aber, gilt das auch für Deutschland? Man will doch auch die breite Masse erreichen, oder?

Social Bots sind als individueller Account gar nicht so relevant, weil sie dem einzelnen nichts tun. Sie sind deswegen relevant, weil sie softwarebasiert sind und nicht nur einen Account steuern können, sondern hunderttausende. So können sie Themen und Meinungen nach vorne bringen, die sonst überhaupt nicht vorne wären.

Wie muss man sich die Social Bots genau vorstellen?

Social Bots in Deutschland sind schon ein bisschen anders als in anderen Ländern. Wir vom Bots-Watch schauen auf drei Typen: Das eine ist die Manipulation öffentlicher Meinung, das andere ist die Manipulation von Wahlen und das dritte ist die Manipulation der Kommunikation nach Terroranschlägen. Social Bots in Deutschland sind ein bisschen intelligenter, sie treten auch direkt mit einzelnen Accounts in Kontakt. Sie können sich über unterschiedliche Themen unterhalten, sie können Schlafenszeiten simulieren und sie können sich auch vertippen. Wir haben auch schon verifizierte Social Bots gesehen, also nur weil ein Account das blaue Häkchen hat, heißt das nicht, dass es kein Social-Bot ist.

Wie konkret macht sich das jetzt schon im Wahlkampf schon bemerkbar?

Wir beobachten, dass sogenannten Fake-News-Websites ihre Strategie geändert haben: Sie sprechen jetzt vor allen Dingen Wahlkämpfer an und Parteien, indem sie Überschriften posten, die auf die Narrative der Wahlkämpfer einzahlen: Wenn zum Beispiel eine sogenannte Fake-News-Seite postet, die CDU führt mit 44 Prozent oder die SPD ist wieder im Aufschwung, dann wird das halt gerne von den Wahlkämpfern zitiert. Und manche vergessen dabei, dass das eine nicht seriöse Website ist. Die Gefahr ist, dass die Website irgendwann als seriös wahrgenommen wird und dann darüber gezielt Falschnachrichten publiziert werden.


Interview: Florian Fricke

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