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17.
Okt

Plädoyer für das persönliche Gespräch

Warum gibt es eigentlich den Zündfunk Netzkongress? Weil es wichtig ist, dass die digitale Szene ein Gesicht bekommt, sagt Franka Ellen Wittek. Ihr Vortrag ist ein Plädoyer für das Gespräch unter vier Augen – oder 40. Von Lukas Schöne

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Franka Ellen Wittek findet: „Fenster aufmachen ist wie rausgehen – nur krasser“

Was hat die Wiener Kaffeehauskultur mit digitalen Netzwerken zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Ende des 19. Jahrhunderts trafen sich Schriftsteller und Künstler, um sich auszutauschen, ihre Ideen weiterzuentwickeln und ihre Arbeit von anderen Menschen bewerten zu lassen. Mitglieder von digitalen Netzwerken dagegen sitzen vor ihren Rechnern oder schauen in ihre Smartphones. Sie beschäftigen sich mit den Entwicklungen im Webspace, gelten oft als „Nerds“. Die Kommunikation läuft über Whatsapp, Facebook-Gruppen, Slack oder Mails.

Reicht doch auch, oder? Reicht nicht, widerspricht Franka Ellen Wittek. Sie lässt sich von der Wiener Kaffeehauskultur inspirieren und hält den persönlichen Austausch auch heute noch für unverzichtbar. Das machte sie in ihrem Vortrag „Fenster aufmachen ist wie rausgehen – nur krasser“ sehr deutlich.

Die Crowd ist cleverer

Wittek ist Geschäftsführerin von Coworking in Nürnberg, einer Firma die Büroräume vermietet – und beschäftigt sich dort mit digitalen Netzwerken, digitalen Communities und digitalen Szenen. Das Digitale ist also ihr Geschäft. Und doch sagt sie: „Der Rechner gibt nicht alles her, was wir brauchen.“ Kongresse wie der Zündfunk Netzkongress oder die Re:Publica seien entscheidend, um der digitalen Szene ein Gesicht zu geben, sich gegenseitig kennenzulernen und weiter zu vernetzen. Und außerdem: 40 Augen, die auf eine Entwicklung schauen, sähen mehr, als nur zwei. „Es ist wichtig, dass die Leute sich an der Kaffeebar treffen.“

Ein digitaler Profi wie Franka Ellen Wittek setzt sich ein für klassische Meetings. Dabei bezieht sie sich auf den britischen Politiker und Unternehmer Matt Ridley und seine These „When ideas have sex“: Einen guten Einfall kann jeder haben, der alleine vor seinem Rechner hockt. Doch kreativ weiterentwickeln kann er sie erst in der Zusammenarbeit mit anderen. „Das Big Picture entsteht dann, wenn viele Ideen zusammengebracht werden“, sagt Wittek. Ihre Überzeugung: Der Einzelne mag clever sein, doch die Crowd ist cleverer.

Fotos: Sophie Krause, Matthias Kestel