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Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister / Bild: dpa
7.
Aug.

Warum wir der Mutter Gottes danken müssen, dass Seehofer nicht auf Twitter ist

Anfang August hat Seehofer verkündet, bald twittern zu wollen. Daraus ist bis heute nichts geworden. Gottseidank, findet Christian Schiffer in seinem Kommentar #failoftheweek.

 

Anfang August in einem Bayerischen Bierzelt: Horst Seehofer kündigt die Mutter aller Kommunikations-Offensiven an und gibt bekannt, in Zukunft nicht nur Volksfeste, sondern auch Twitter heimsuchen zu wollen. Seitdem zittert Twitter-Deutschland vor dem ersten Tweet des Bundesinnenministers, passiert ist bislang jedoch: nichts. Mittlerweile heißt es,

dass er nur über den Account des Innenministeriums twittern wird und man kann davon ausgehen, dass zuvor noch ein paar Mitarbeiter seine Tweets zurechtzupfen werden. Gottseidank, kann man da nur sagen, denn die Stimmung bei Twitter ist eh schon schlecht genug – auch ohne Seehofer. Twitter und Seehofer, das wäre das Duo infernale, das wäre so, als würden man einen Tanklaster Öl ins Feuer gießen, ja, das wäre sogar so, als würde man so etwas Deppertes tun und ausgerechnet Donald Trump den Oberbefehl über das Atomwaffenarsenal der US-Armee übertragen oder Jan Ulrich einfach mal so auf Malle einen Besenstiel in die Hand drücken.

Twitter und Seehofer, das Duo infernale

Man stelle sich nur mal vor, Seehofer könnte sich bald nicht nur am Rande irgendwelcher Klausurtagungen äußern, sondern ungefiltert vor einem Millionenpublikum – und das rund um die Uhr! Denn gerade hat der CSU-Chef wieder mal einen rausgelassen. Die Migration sei die Mutter aller Probleme, soll er gesagt haben, das zumindest schreiben viel Medien. Klar, die Migration, irgendwie Schuld an allem: an Wohnungsnot, Klimawandel, schleppendem Glasfaserausbau, Ungleichheit, AfD, Pflegenotstand, BER-Desaster, Vorrunden-Aus und am zäh fließenden Verkehr auf der A9 Richtung Allershausen. Das ist nicht nur Unsinn, Seehofer hat uns allen damit auch eingebrockt, dass der politische Diskurs in Deutschland nun endgültig angekommen ist auf dem Untertitel-Niveau bekannter Film-Klamotten aus den 90ern …

Denn nun hat natürlich jedes Problem plötzlich eine Mutter oder einen Vater. Für SPD-Vize Ralf Stegner ist Seehofer der Großvater aller Berliner Regierungsprobleme, für die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke ist Seehofer hingegen eher der Vater aller Rassismusprobleme, Andrea Nahles wiederum hält Angela Merkel für die Mutter aller Probleme, fordert aber gleichzeitig auf Twitter einen Vaterschaftstest, um herauszufinden, von welchen Problemen Seehofer der Vater ist:

Und das Online-Portal Telepolis erklärt unterdessen kurzerhand die „kapitalistischen Verwertungszwänge“ zur Mutter aller Probleme. Zur Übermutter aller Probleme wiederum könnte sich für den Innenminister eine ganz andere Aussage entwickeln, nämlich dieses hier (bei ca. Minute 3):

„Ich bin auch froh über jeden, der bei uns in Deutschland straftätig wird, straffällig, und aus dem Ausland stammt. Auch die müssen das Land verlassen.“

Gesagt hat dies Horst Seehofer offenbar schon auf einer Wahlkampfveranstaltung am 2. August. Ein Innenminister, der froh ist, wenn Ausländer in Deutschland Straftaten begehen?!
Heilige Mutter Gottes …!