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14.
Okt

Mensch-Maschine – Wie weit sind Alexa und Co. wirklich?

Ob Siri, Cortana oder Alexa: Der Sprachassistent ist gerade die unangefochtene Lieblingstechnologie der Techszene. Dank ihnen dreht sich die Art und Weise, wie wir mit Maschinen interagieren, gerade um 180 Grad. Plötzlich verstehen Maschinen, wie wir sprechen. Und dementsprechend viele Fragen hatte das Publikum beim Zündfunk Netzkongress an Malte Kosub, der als Software-Entwickler mit Amazon und Google zusammenarbeitet. Dass es überhaupt erst soweit gekommen ist, dass Mensch und Maschine sich so ungekannt gut verstehen, macht er an drei Faktoren fest.

Allein Amazon beschäftigt 5.000 Mitarbeiter für Alexa

Faktor eins: Die Erkennungsrate von Sprache entwickelt sich rasant weiter. In den 1950er Jahren erfunden, sorgen ab den 80er Jahren statistische Verfahren dafür, dass die maschinelle Spracherkennung immer besser wird. Der Durchbruch kommt aber erst Anfang 2010: Dank Machine Learning liegt die Trefferrate bei der Erkennung von Sätzen bei 95 Prozent. Das heißt: Bei perfekten Umweltbedingungen schneidet die Maschine jetzt besser ab als der Mensch.

Faktor zwei: Tech-Unternehmen weltweit investieren gerade extrem viel Geld in die Sprachassistenten: Allein Amazon beschäftigt 5.000 Mitarbeiter allein für Alexa.

Faktor drei: Sogenannte „Voice First-Geräte“ haben Sprachassistenten alltagstauglich gemacht. Den Anfang hat Amazon mit Echo gemacht, Google legte mit Home nach und Apple will noch dieses Jahr folgen. Glaubt man den Hype-Scouts, werden im Jahr 2020 schon 75 Prozent aller US-Haushalte ein Voice First-Gerät haben, 30 Prozent aller Web-Interaktionen werden komplett ohne Bildschirm auskommen.

Wenn der Backofen mit dir spricht

Auch wenn der Siegeszug der Sprachassistenten auf den Voice First-Geräten begonnen hat, die Technologie dahinter werden wir bald überall finden: In Kühlschränken, Backöfen, Weckern und Autos. BMW hat schon angekündigt, Amazons Alexa integrieren zu wollen. Die Vorteile sind ja klar: Stimmsteuerung ist direkter und niemand muss die Hände vom Lenkrad nehmen.

Bei all dem Hype: Alexa, Siri und Co. eignen sich nicht für alle Anwendungsgebiete: Problematisch wird es immer dann, wenn die Lösungsbreite einer Anfrage für den Sprachassistenten zu groß wird. Wer Alexa lediglich gebietet, „etwas von Beethoven“ zu spielen, der darf sich nicht wundern, wenn am Ende ein Deep House-Remix von „Für Elise“ aus den Boxen schallt.

Interview mit Malte Kosub. Er meint, es ist die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er Konzernen erlaubt, in seinem Alltag zuzuhören. Von: Marlene Thiele

 

Trotzdem: In Zukunft werden unsere Assistenten noch sehr viel menschlicher werden. Und sie werden dank Vernetzung sehr viel über unsere Lebensumstände wissen. Spätestens wenn der Sprachassistent die eigenen Vorlieben besser kennt als man selbst, wird es für viele unheimlich. Klar ist: Keine neue Technologie ohne die Möglichkeit ihres Missbrauchs: Denkbar wäre beispielsweise, dass man eine Pizza beim Lieblingsitaliener bestellen möchte und Alexa fragt, ob man stattdessen nicht lieber bei Pizza Hut bestellen möchte – ganz einfach, weil die Firma dafür gezahlt hat.

Zukunftsmusik, zugegeben. Noch ist komplett offen, inwiefern Werbung überhaupt den Weg in die Sprachassistenten finden wird. Aber wenn es so weit ist, werden wir uns sehr viel öfter fragen müssen: „Dient der Sprachassistent mir – oder vielleicht jemand ganz anderem?“.

Text: Jasmin Körber