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16.
Okt

Keine Angst vor Robotern

Roboter werden immer intelligenter: Sie können heute nicht nur Autos bauen, sondern auch Rasen mähen und sprechen. Vor einer Herrschaft der Roboter brauchen wir aber kein Angst zu haben. Von Ali Vahid Roodsari

Menschen machen Fehler. Das beweist das Panel „Machtkampf der Roboter“. 15 Minuten zu spät geht es los – weil ein Kabel fehlt. „Mit Robotern wäre das nicht passiert“, sagt Mads Pankow, Herausgeber der Zeitschrift „DIE EPILOG“ und lacht.

Danach macht er ernst weiter: Die Roboter werden uns enteignen, heiße es in den Medien. Sie wollten uns das nehmen, was uns am liebsten ist: die Arbeitsplätze. „Erst die Ausländer, nun die Roboter“, meint Pankow als Witz.

Tatsächlich gab es im Bereich der Computertechnik in den letzten Jahren viele Fortschritte. Ein gutes Smartphone ist so leistungsstark wie ein Supercomputer von 1995. 1996 schlug der Schachcomputer „Deep Blue“ von IBM den damaligen Meister Garri Kasparow. 2011 gewann die KI „Watson“ (ebenfalls von IBM) beim Spiel „Jeopardy“. 2016 besiegte „AlphaGo“ von Google den Meister Lee Sedol im Brettspiel Go. Das Spiel ist mit seinen unendlichen Möglichkeiten deutlich komplizierter als Schach.

Überholen uns die Roboter?

„Das ist kein Grund zur Panik“, erklärt Pankow. Mehr als eine Funktion – etwa ein Brettspiel spielen – können solche KIs nicht. Das gleiche gelte für Roboter. Ein industrieller Roboter kann beispielsweise gut Autos bauen: deutlich besser als ein Mensch. Im Alltag sind die Maschinen aber noch überfordert. Das zeigt die DARPA Robot Challenge des US-Militärs. Roboter müssen hier verschiedene Aufgaben erfüllen: Türöffnen, Gehen, Treppensteigen. Als ein Roboter beispielsweise eine Tür öffnen wollte, fiel er zu Boden. Der Grund: Die Tür ging nach außen auf.

Wie Roboter lernen

Der Roboter hatte gelernt, Türen nach innen zu öffnen. Andersrum war es ihm aber noch fremd. Und das ist ein Problem der digitalen KI von heute: Sie kann nicht denken. „Computer reagieren per Trial and Error“, sagt Pankow. Das bedeutet, dass sie durch Ausprobieren einen Prozess lernt. Ist aber plötzlich etwas anders – Tür geht nach Außen auf statt nach Innen – dann kommt die KI mit der neuen Situation nicht zurecht.

Lernen durch Imitation

Donghuei Lee lehrt ihre Roboter anders. Sie ist Professorin an der TU München und zeigt ihre Forschung beim Panel „Can Robots learn from Humans?“. Sie präsentiert unter anderem zwei Grundansätze: Imitation und „Kinesthetic teaching“. Bei der Imitation machen die Roboter das nach, was die Menschen ihnen zeigen. Sie lernen durch Beobachten.

So lehrte Lee einem Roboter den Tanz aus „Pulp Fiction“. Der Roboter hatte die Hand aber zu weit über dem Kopf. Hier kommt Kinesthetic teaching ins Spiel. Lee ließ den Roboter die falsche Bewegung machen, griff aber dann ein und drückte die Hand persönlich nach unten, so dass sie an der richtigen Stelle war. Der Roboter merkte sich das und vergaß die falsche Bewegung.

Noch sind wir sicher

Wie die Videos von der DARPA zeigen, sind menschenähnliche Roboter noch eine Zukunftsvision. „Die besten Roboter heute sind noch nicht mal auf dem Stand eines Kleinkinds“, sagt Lee. Der nächste Sprung für eine menschenähnlichere KI wären durch Quanten- oder Biocomputer möglich.

Lee ist zuversichtlich, was die Zukunft angeht: „Ich will einen Roboter bauen, der von uns lernen kann“, sagt sie. „Ich glaube, das wird ein Roboter sein, der mit uns zusammenleben kann.“