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27.
Okt

James Williams: Aufmerksamkeit ist die wichtigste Ressource unserer Zeit

Der Handel mit unserer Aufmerksamkeit ist die bestimmende moralische und politische Herausforderung unserer Zeit. Wir brauchen neue Wege, uns gegen die Unterwerfung durch die Tech-Industrie zur Wehr zu setzen. Wie kann dieser Widerstand aussehen? Ein Plädoyer für die Freiheit der Aufmerksamkeit von James Williams. 

Das Smartphone ist das “GPS für unser Leben”

Klicken, Scrollen, Liken – das Smartphone ist das “GPS für unser Leben”. Unser Leben ist ständig von Ablenkung bedroht: Was sind unsere eigentlichen Wünsche und Ziele – beispielsweise mehr Zeit für Familie oder Klavierspielen. Die Industrie hat andere Ziele: Die Nutzer sollen mehr Zeit auf den Plattformen verbringen, und dabei so viele Werbeanzeigen wie möglich anklicken. Wer will ich wirklich sein? Die Werte unseres Systems – sind das unsere eigenen oder sind sie der Aufmerksamkeit anderer unterworfen? Und haben wir noch Zeit für Reflexion?

Netflix bezeichnete den Schlaf seiner NutzerInnen ernsthaft als größte Konkurrenz:

 

Design als eine Form des Widerstands

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“, zitiert James Williams den Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein. Und fordert: Die Unternehmen sollten menschliche Wörter für Menschen verwenden – also anders mit und über die Nutzer sprechen. Designer und Marketing-Menschen verwenden gerne Begriffe wie „Targeting“ oder „Funnel“. Notwendig wäre es, menschliche Wörter für Menschen zu verwenden. Die Grenzen unserer Sprache bedeuten die Grenzen unserer Empathie für die Nutzer.

Designziele der Unternehmen sollten transparent sein – auch hier sollte wie in der Medizin der Hippokratische Eid gelten. Die Tech-Industrie muss höhere Wertestandards einführen und Werbung als Geschäftsmodell überdenken.

Wir müssen die Freiheit der Aufmerksamkeit verteidigen

Allerdings sind unsere Möglichkeiten überschaubar, sagt James Williams selbst. Adblocking sei beispielsweise eine Möglichkeit. Was gute Technologie leisten sollten: Die Türen für eine neue Wahrnehmung und neue Dimensionen öffnen. Williams bringt zwei Beispiele: Die Brillen, die es Farbenblinden ermöglichen, erstmals Farben zu sehen. Oder die Performance des ISS-Kommandanten Chris Hadfield, der im All „Space Oddity“ von David Bowie gesungen hat.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir noch ganz am Anfang stehen, sagt James Williams. Die Kulturtechnik Internet ist noch jung – vergleichen wir es mal mit einer Erfindung wie dem Hammer. Es ist noch nichts verloren!

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