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26.
Okt

Lasst uns ehrlich sein: „Algorithmus ist King“ – Sophie Passmann eröffnet den Zündfunk Netzkongress

Influencer sind doof und kehren ihr Innerstes nach außen? Nein, sagt Autorin Sophie Passmann, die 36.000 Follower auf Instagram hat. Die Häme ist überholt – wir müssen verstehen, worum es beim Influencing wirklich geht.

Foto: Matthias Kestel

Stichwort #Cashtag, Motto des diesjährigen Zündfunk Netzkongresses: Ja, mit Influencing verdienen Leute eine Menge Geld. Ja, es ist ein wachsender Markt. Und ja, man könnte über Influencer wie Dagi Bee lachen. Sollte man aber nicht, sagt Sophie Passmann, Moderatorin bei 1Live und Autorin beim Neo Magazin Royale.

Beim Influencing geht es ums Geldverdienen, nicht um kreativen Output

Influencing ist ein Beruf. Es geht ums Geldverdienen. „Wir müssen weg von der Idee, dass Influencing irgendetwas mit kreativem Output zu tun hätte. Es geht immer darum, wie kann ich so tun, als sei ich kreativ und kann dabei belohnt werden von Algorithmen, von Unternehmen, die letztendlich nicht ansatzweise im Sinn haben, dass ich was Kluges oder Weltbewegendes sage.“ Mehr denn je bestimmt der Algorithmus, welcher Youtuber Erfolg habe: „Algorithmus ist King.“

Die authentische Version von uns selbst ist nie die spannendste

Der nächste Irrtum sei, dass man Authentizität erwarte. Die sei aber völlig egal: „Jeder von uns postet das Selfie, auf dem er am besten aussieht. Jeder. Das heißt, jeder von uns hat eine völlig unauthentische, also nicht am Kern seines Wesens seiende Version von sich im Internet. Das ist auch voll in Ordnung, denn wenn wir mal ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann ist die authentischste Version von uns selbst nie die spannendste“, so Sophie Passmann.

Influencing ist Werbung. Hinter Influencern mit erfolgreichen, witzigen Accounts stehen immer Teams – und in vielen Fällen Werbeagenturen. Der Influencermarkt wird immer härter. Es reicht lange schon nicht mehr, mit einem Waschmittel durch Berlin Mitte zu fahren und davon ein Foto zu posten.

Dinge verkaufen, die keine Lidschattenpaletten sind

Sophie Passmann hält nichts davon, darin den Untergang des Abendlandes zu sehen. Sie möchte auf diesen Markt Einfluss nehmen. Ihre Lösung ist: andere Inhalte anbieten. Man könne Menschen ja auch Dinge verkaufen, die keine Lidschattenpaletten sind. Beispielsweise Bücher. Oder Demokratie.