Mit WhatsApp heute noch ins Schleuser-Boot

Flüchten über Facebook: Auf der Netzkongress-Bühne hat Zündfunk-Reporter Sammy Khamis während seines Vortrags einen Schleuser in Istanbul angeschrieben. Kurz danach bereits hatte er ein Angebot für die Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Hier erzählt er, wie es dazu gekommen ist.

Von Sammy Khamis

Schleuser. Bei dem Wort denkt man an dunkle Ecken, dunkle Machenschaften und dunkle Geschäfte. Aber während meiner Recherche zum Thema Flucht und Migration habe ich herausgefunden: Schleuser sind nicht weiter als eine WhatsApp- oder Facebook-Nachricht entfernt.

In Social Media Plattformen werben viele Schleuser mit ihren Angeboten. Und zu finden sind sie extrem leicht: Ich habe einfach das arabische Wort für Schlepper in die Suchleiste von Facebook eingegeben und hatte schon unzählige Treffer. Oder man sucht nach den Orten, beispielsweise an der libyschen Küste, die als Schleuserhochburgen bekannt sind.

Für Flüchtlinge hat Social Media den Vorteil, dass sie Preise Vergleichen und Sicherheitsmaßnahmen einfordern können. Überfüllt ein Schleuser sein Boot mit zu vielen Geflüchteten, dann hat man die Möglichkeit zum nächsten zu Wechseln.

Während des Zündfunk Netzkongresses habe ich also einigen der Schleuser WhatsApp-Nachrichten geschickt – und ihre Antwort kam schneller als gedacht: Ich hätte noch am gleichen Abend in ein Boot von der Türkei nach Griechenland steigen können. Gezahlt hätte ich dafür 900€. Seit dem Vortrag trudeln bei mir weiter über WhatsApp die Angebote ein. Und das obwohl die Saison fast vorbei ist, und der Winter (mit hohen Wellen und kaltem Wasser) vor der Tür steht.